1925 – 1945

1925 leben 13858 Menschen in der Stadt. 6509 männliche und 7349 weibliche. Es gibt 943 Gewerbetreibende und 130 Landwirtschaftsbetriebe. 1926 wird das Postamt durch einen Anbau in der Poststrasse vergrössert. Willy Rühs eröffnet 1927 in der Neutorstrasse ein Textilgeschäft. Nach vielen Umzügen befindet sich das Modehaus Rühs heute in der Turmstrasse. Im selben Jahr wird mit dem Bau der Kanalisation begonnen.
1928 hat die Stadt 5 Mio. Mark Schulden. Um dem Konkurs zu entgehen, werden die städtischen Betriebswerke verkauft und eine Raumsteuer eingeführt. Am 11. Oktober des Jahres wird das Kaufhaus Karstadt eröffnet. Es ist ein moderner Betongussbau, der eigentlich nicht ins Stadtbild passt (Bild). Ca. 15.000 Menschen leben 1930 in Neubrandenburg.
Am 30. Januar 1933 kommt die NSDAP an die Macht. Damit beginnt eine unheilvolle Zeit, Hausdurchsuchungen bei linksstehenden Parteifunktionären werden durchgeführt, 30 Kommunisten in Schutzhaft genommen, Bücherverbrennungen antifaschistischer Autoren finden statt. Gegen Bürgermeister Exss wird integriert, weil er nicht faschistisch genug denkt. Eine Verleumdungsklage bringt kein Ergebnis, Exss gibt freiwillig auf und verlässt die Stadt. Nachfolger wird am 19. Juni 1933 Dr. Ernst Retzlaff.
Auf der Fläche des Gutes Trollenhagen wird mit den Vorarbeiten zum Bau des Fliegerhorst begonnen.
Bereits am 15. Oktober 1934 stirbt Dr. Ernst Retzlaff. Neuer Bürgermeister wird Walter Hamann.
Im gleichen Jahr hat die “Niederdeutsche Bühne Neubrandenburg” ihre ersten Aufführungen.
1935 ist Neubrandenburg wichtiger Standort für Rüstungsindustrie.
Neue Wohnhäuser werden in der Ihlenfelder Vorstadt gebaut.

Karstadt in Neubrandenburg

Am 15. Januar 1936 wird die erste Gruppe des Kampfgeschwaders 252 auf den Fliegerhorst Trollenhagen (Bild 1) verlegt.
1937 baut die Firma Tiedt einen zweiten Getreidesilo an der Speicherstrasse und mit dem Bau des Brauereiviertels wird begonnen. 1938 wird mit dem Bau der Kasernenanlage im Süden der Stadt begonnen. Am 10. November 1938 brennt die Synagoge in der Poststrasse nieder und der jüdische Friedhof wird geschändet. In der Dietrich-Eckart-Siedlung (heute Vogelviertel) werden Wohnhäuser gebaut. Am 01. September 1939 beginnt der zweite Weltkrieg.
Vom Fliegerhorst Trollenhagen werden Luftangriffe auf Polen geflogen.
Auf Gut Fünfeichen entsteht das Kriegsgefangenenlager Stalag II A (Bild 2 und 3). 23.000 Einwohner hat Neubrandenburg 1940.
Am Tollensesee wird eine Torpedoversuchsanstalt (TVA) gebaut (Bild 4). Auf einer künstlichen Insel entsteht die Abschusseinrichtung für die Torpedos. Die Rinkerwerke produzieren Handgranaten, Granatwerfermunition und Transportbehälter.
Das in Trollenhagen stationierte Kampfgeschwader ist in Europa und Nordafrika am Luftkrieg beteiligt. 1942 stehen auf dem Fliegerhorst sieben grosse Flugzeughallen. Ab dem Jahr 1943 wird das Zwangsarbeiterlager in der Ihlenfelder Chaussee als Aussenstelle des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück genutzt. 1944 wird ein weiteres Konzentrationslager im Nemerower Holz gebaut. Am 20. Juni wird der Fliegerhorst Trollenhagen das erste Mal von den Alliierten aus der Luft angegriffen. Am 05. Oktober folgt ein erneuter Angriff, bei dem erhebliche Zerstörungen entstehen.

Fliegerhorst Trollenhagen

Kriegsgefangenenlager Stalag II A   Kriegsgefangenenlager Stalag II A    TVA Torpedoversuchsanstalt in Neubrandenburg

Im Februar 1945 erreicht Neubrandenburg die erste grosse Flüchtlingswelle aus den Ostgebieten.
Am 01. April legt Hamann sein Amt nieder. Am 26. April verlässt die SS mit allen Häftlingen die Konzentrationslager der Stadt. Am 29. April wird die Stadt durch die Rote Armee eingenommen. Dabei werden über achtzig Prozent der Stadt zerstört, darunter die Marienkirche, das Rathaus, das Palais. Es gibt viele Tote und zahlreiche Verletzte.

  Rathaus 1935:                                                                                              Rathaus 1946:
Rathaus in Neubrandenburg 1935           zerstörtes Rathaus Neubrandenburg 1946
Blick auf die Ruine der Marienkirche:                                                 Die zerbombte Stadt:
Ruine der Marienkirche in Neubrandenburg 1945          Das zerbombte Neubrandenburg

Der neue Bürgermeister heisst Kurt Mücklisch. Am 03. Mai 1945 nimmt er sein Amt auf. Am 08. Mai ist der Krieg zu Ende, Deutschland wird in vier Besatzungszonen aufgeteilt.
Neubrandenburg gehört zur sowjetischen Zone. Das ehemalige KZ in der Ihlenfelder Strasse wird Durchgangslager, tausende werden von hier in die Kriegsgefangenschaft transportiert.
In Fünfeichen wird das Internierungslager “Speziallager Nr.9” errichtet (Bild ). Ca. 18.000 Menschen werden hier inhaftiert. Im Sommer 1945 beginnen die Neubrandenburger mit den Aufräumarbeiten. 25.000 Flüchtlinge soll der Amtsbezirk Neubrandenburg aufnehmen. Seuchen grassieren in der Stadt.
Am 26. September 1945 wird Neubrandenburg kreisfreie Stadt mit 21 untergeordneten Gemeinden. Es herrscht grosse Armut, Essen wird rationiert. Die Bahnstrecke Neubrandenburg-Penzlin-Möllenhagen wird auf Grund des Potsdamer Abkommen abgebaut und nie wieder aufgebaut. Am 31. Dezember endet die Amtszeit von Kurt Mücklisch.

Speziallager Nr.9 Fünfeichen in Neubrandenburg

1248 – 1300   |   1301 – 1400   |   1401 – 1500   |   1501 – 1600

1601 – 1700   |   1701 – 1800   |   1801 – 1849   |   1850 – 1900

1901 – 1924   |   1925 – 1945   |   1946 – 1965   |   1966 – 1987

1988 – 2001

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